Last Call JaboG 32 Lechfeld


Ende des Traditionsgeschwaders und Flyout der Tornados

Mit dem heutigen Appell tragen wir der politischen Entscheidung zur Neuausrichtung der Luftwaffe und damit einhergehend der Außerdienststellung des Jagbombergeschwaders 32 zum 31. März 2013 Rechnung.“ Mit diesen Worten beendete der Kommandeur der 1. Luftwaffendivision, Generalmajor Robert Löwenstein, am 21. März die Ära des Verbands. Ein feierlicher Akt der vielen Soldatinnen und Soldaten sowie zahlreich erschienenen Ehrengästen aus Politik und Wirtschaft nahe ging. Die Sonne schien als der Kommandeur der 1. Luftwaffendivision, Generalmajor Robert Löwenstein, und der Kommandeur des Jagdbombergeschwader 32, Oberstleutnant Thomas Dohler, die angetretene Formation von Soldaten und zivilen Angehörigen der Lechfeldkaserne begrüßten. Unter den angereisten Ehrengästen waren auch der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Karl Müllner, sowie der Befehlshaber des Luftwaffenführungskommandos, Generalleutnant Peter Schelzig. „Die Außerdienststellung eines so traditionsreichen, leistungsstarken und einsatzerfahrenen Verbandes ist nicht dazu angetan, gute Gefühle auszulösen“, begann Generalmajor Löwenstein seine Rede zur Auflösung des Verbandes in der er vor allem die besonderen Leistungen der Soldaten betonte.
Dieser Last Call heute ist nun die letzte Gelegenheit, noch einmal mit aktiven und ehemaligen Angehörigen in diesem Verband zusammenkommen. Daher freue ich mich, dass sich so viele Ehemalige zu dieser Veranstaltung angemeldet haben“, so Oberstleutnant Thomas Dohler in seiner Ansprache. Um 14:25 Uhr starteten drei Tornados des Verbands in ihre neue Heimat, zum Aufklärungsgeschwader 51 „Immelmann“ zum Standort Jagel in Schleswig-Holstein. Den Höhepunkt und eindrucksvollen Abschluss der Zeremonie bildete die Zusammenführung aller drei gestarteten Jets. Sie stiegen steil in Formation auf und flogen beim Erreichen der Vertikalen gleichermaßen in drei Richtungen auseinander. Diese sinnbildliche Formationsauflösung bescherte den Zuschauern ein letztes fantastisches Bild.

Geschichte des JaboG32 & letzte Tage

Am 7. Juli 1956 trafen die ersten Soldaten auf dem Lechfeld ein. Zwei Jahre später, am 22. Juli 1958, nahm das Jagdbombergeschwader 32 seinen Dienst- und Flugbetrieb mit Maschinen vom Typ F-84F “Thunderstreak“ auf. Insgesamt wurden 80.000 Flugstunden mit diesem Flugzeugmuster geflogen bis 1965 die Umrüstung auf das Nachfolgemuster F-104G “Starfighter“ erfolgte. Ab 1982 begann sich das Geschwader auf das Flugzeugmuster “Tornado“ umzustellen. Der erste geschwadereigene “Tornado“ flog 1984 auf dem Lechfeld ein. Bis zum Sommer 1991 wurde ausschließlich der “IDS-Tornado“ als konventioneller Jagdbomber eingesetzt. Mitte Mai 1991 begann die Umrüstung der 1. Staffel auf den “ECR-Tornado“ (Electronic Combat / Reconnaissance). Als einziger Verband der Luftwaffe flog das Geschwader den ECR, die bis zur Indienststellung der ASSTA 3 Tornados modernste Variante dieses Kampfflugzeuges. Ausgerüstet mit der HARM – Missile (High Speed Anti Radar Missile) und einem speziellen Emitter Location System (ELS), ist der ECR auf die Suppression of Enemy Air Defence (SEAD) spezialisiert. Der erste Einsatz im Rahmen der “Multi National Task Force“ wurde vom Einsatzgeschwader 1. beginnend am 7. August 1995 mit dem Ziel der Überwachung und dem Schutz der eingesetzten Luftstreitkräfte vor Boden-Luft-Raketen durchgeführt. Ein neues Kapitel deutscher Militärgeschichte wurde eingeleitet. Vom 24. März bis 11. Juni 1999 nahm das Geschwader an der NATO-Luftoperation “Allied Force“, dem ersten bewaffneten Kampfeinsatz deutscher Luftwaffenjets seit dem zweiten Weltkrieg teil. Vom italienischen Stützpunkt in Piacenza aus, wurden über 2500 Missions geflogen und 236 scharfe HARM´s auf militärische Ziele abgeschossen.
Bereits im Januar wurden die meisten ECR Tornados an das AG51 in Schleswig – Jagel übergeben und in den letzten Monaten wurde nur noch sporadisch Trainingsflugbetrieb in Bayern durchgeführt, waren doch schon die meisten Kräfte durch die Luftwaffenüberprüfung „Forceval“ im Norden gebunden. Bis zum Schluss verblieb die 46+45 „Last Call“ auf dem Lechfeld und verließ dieses dann auch als letzte Maschine nur Tage nach dem offiziellen Last Call. Eindrücke von den letzten Tagen mit Flugaktivitäten des JaboG32 auf dem Lechfeld im Januar und des Last Call „Goodbye Lechfeld“ ECR Tornados: SERVUS JABOG 32!

AirForces Monthly 06/2013

lechfeld_2013_60

Ein ganz herzlicher Dank an die entsprechenden Beteiligten des JaboG 32, speziell der Presse – und Öffentlichkeitsarbeit, Frank sowie dem PIZ der Luftwaffe.

Text: © Mathias Grägel & Luftwaffe
Bilder: © Mathias Grägel / GME-AirFoto Januar & März 2013