RF-4E Phantom – The End Of The Film Larissa


Nach 39 Jahren gingen die letzten RF-4E Phantom II Aufklärer der griechischen Luftwaffe Anfang Mai außer Dienst. Die ehemaligen Bundeswehrjets waren die letzten Aufklärer mit analoger Filmtechnologie in Europa. Neben der Phantom war es auch das Ende für die in Larissa stationierte 348 MTA. Die F-16 übernimmt in Zukunft die Aufklärungsrolle in Griechenland.

The end of the filmAm 05. Mai dieses Jahres endete nach 39 Jahren die Zeit der RF-4E Phantom II Aufklärer in der griechischen Luftwaffe (Hellenic Air Force – HAF). Zusätzlich zur Phantom wurde auch die 348 Mira Taktikis Anagnoriseos (MTA, Taktische Aufklärungsstaffel) ‘Eyes’ nach 64 Dienstjahren aufgelöst. Gegründet in 1953 auf der Basis in Elefsina flog man als erstes Muster die Republic F-84G. Bereits in 1954 verlegte man zum 110 Geschwader nach Larissa in Nordgriechenland nahe der Olymp Bergkette. Ein Jahr später rüstet die 348 MTA auf die RT-33 um bevor im August 1956 mit der Republic RF-84F Thunderflash schon der nächste neue Aufklärer eingeführt wurde. Die Thunderflash war ein Pionier in der als reines Aufklärungsflugzeug, ausgerüstet mit speziel ausgelegter Ausrüstung für diesen Zweck. Sie konnte mit drei Kameras in der Nase ausgestattet werden und produzierte Bilder sowohl einzelner Ziele wie auch weiter Flächen in hoher Auflösung. Die RF-84F waren noch bis 1991 im Einsatz. Die 348 MTA erhieltet ab 1978 zusätzlich die ersten RF-4E Phantom II. Unter dem „Peace Icarus“ Programm wurden die ersten sechs Flugzeuge bei McDonnell Douglas bestellt. Ein weiteres Paar folgte im Jahr darauf. Die direkt aus den Vereinigten Staaten gelieferten Jets trugen die noch immer verwendete brau-grüne „South-East Asia“ Tarnlackierung, die auch durch die USAF in Vietnam verwendet wurde.
Nach dem Ende der RF-84F in 1991 und dem Verlust von drei Phantom schrumpfte die verbleibende Aufklärerflotte auf fünf Phantom bei unveränderter Nachfrage an Aufklärungsergebnissen. Die Lösung für das Problem kam 1993 in Form von 27 ehemaligen RF-4 der Bundesluftwaffe. Nach deren Nutzungsende in Deutschland (Abrüstung der Bundewehr nach dem Fall der Mauer) wurden diese an Griechenland abgegeben und 20 Stück bei der 348 MTA ab 1994 geflogen. Die verbleibenden sieben wurden direkt als Ersatzteilspender verwendet. Obwohl es sich um den selben Typ handelte, gab es einige markante Unterschiede zwischen den original in Amerika beschafften und den ehemaligen deutschen RF-4E Phantom. Hauptunterschied waren eine andere Nasenform, Schleudersitze samt entsprechender Verbindungen zur Pilotenausrüstung und ein unterschiedlicher Flügeltyp. Die deutschen RF-4E hatten das alte Flügeldesign mit leading-edge flaps und boundary layer control bis 19,2° AOA statt 25° AOA. Des Weiteren fehlte den deutschen Maschinen ein Radarwarner und die Möglichkeit AIM-9L Sidewinder Lenkwaffe zur Selbstverteidigung zu verwenden. Die dafür fehlende Verkabelung wurde später in Griechenland nachgerüstet. Das Ergebnis waren zwei im Grunde verschiedene Flotten innerhalb der Staffel mit doppelter Ausrüstung für jeden Piloten. Die ehemals deutschen RF-4E waren vor allem im Tiefflug stabiler während die amerikanischen eine leicht bessere Wendigkeit hatten.
Die RF-4E führte je nach Auftrag mehrere Kameras an drei in ihrer Nase verbauten Stationen mit. Die 348 MTA nutzte eine Reihe von Kamerasystemen für die verschiedenen Zwecke. Darunter die KS-127A Long Range Oblique Photography (LOROP – Seitensichtaufnahmen auf große Distanz) mit der hervorragende Ergebnisse auf große Entfernungen, an klaren Tagen bis zu 50km, möglich waren. In Zeiten des kalten Krieges ein wichtiges Mittel um die benachbarten Länder des Warschauer Pakts, hauptsächlich Bulgarien, im Auge zu behalten. Neben der LOROP gab es die KS-87B und die KA-56E für Panoramaaufnahmen im Tiefflug sowie eine Infrarot Kamera. Neben den rein militärischen Aufgaben flog die 348 MTA ab und an auch im Auftrag von zivilen Stellen, zum Beispiel, um die Ausbreitung von Buschfeuern und deren Quellen zu erkunden. Innerhalb von zwei Stunden nach der Landung lieferten die Phantoms ein genaues Bild der Lage. Sie waren weiter berühmt für ihre Missionen im Tiefflug. Dies war die einzige Möglichkeit für die RF-4E, bei Flügen über feindlichen Gebiet nicht von gegnerischem Radar entdeckt zu werden, das Ziel zu fotografieren und danach wieder sicher den gegnerischen Luftraum zu verlassen. Die Mission der Phantom war erst erfolgreich beendet, wenn sie wieder gelandet war und der Film entwickelt wurde. Jede Mission verlangte zudem akribische genaue Planung. Die beiden Piloten brauchten eine große Erfahrung um die für den Auftrag und Ziel passende Kamera und Linse auszuwählen, die passende Flughöhe zu bestimmen sowie den Stand der Sonne und meteorologische Bedienungen im Zielgebiet zu beachten. Um für diese Aufgabe gerüstet zu sein brauchten neue Piloten nach ihrer Grundausbildung mindestens 300 Stunden auf dem hinteren Sitz um dann als RF-4E-Pilot eingesetzt zu werden. In Griechenland wurde die RF-4E mit zwei Piloten statt mit einem Waffensystemoffizier im hinteren Cockpit geflogen.
Mit der offiziellen Veranstaltung “The end of he film” wurde am 05. Mai vor geladenen Gästen, meist ehemalige Staffelangehörige, der Flugbetrieb mit der RF-4E in Larissa eingestellt. Die drei verbleibenden, flugfähigen Aufklärer waren ein letztes Mal am griechischen Himmel zu sehen. Insgesamt wurden bei 348 MTA ca. 98.000 Stunden mit der RF-4E geflogen und 181.000 Gesamt. Am Schluss hatte die Staffel noch 13 aktive Piloten zur Verfügung. Das Ende der RF-4E bedeutet auch das Ende der analogen Kameras und Schwarz-Weiß Ergebnisse auf Naßfilm.
Nach dem Ende der RF-4E Phantom II wird die Aufklärungsaufgabe bei der HAF von der F-16 übernommen. Nach aktuellem Stand werden die F-16 Block 52+ mit dem DB-110 Aufklärungsbehälter ausgerüstet die Luftaufklärung durchführen. Auch wenn die modernen Systeme zweifelslos große Vorteile durch die Echtzeitübertragung und direkte Anpassung an die vorhandene IT – Infrastruktur und Waffensysteme bieten, die Bildergebnisse der analogen Kameras der RF-4E Phantoms waren bis zum Schluss so hochwertig und hochauflösend wie ihre digitalen Nachfolger. ▪

Publikationen

FliegerRevue 08/2017

Text & Bilder: © Mathias Grägel / GME-AirFoto GbR – Mai 2017