Real Thaw – BA°5 Monte Real


Dare to be aware

Zum zehnten Mal führte die portugiesische Luftwaffe ihre jährliche Hauptübung „Real Thaw“ durch. Traditionell Anfang Februar kamen auch NATO Partner aus Zentraleuropa auf die iberische Halbinsel um von den dort günstigen meteorologischen Bedingungen im Winter zu profitieren. Bei milden Temperaturen und Sonnenschein übten rund 35 Luftfahrtzeuge und 1500 Soldaten ein breites Portfolio an Aufgabenprofilen mit dem Schwerpunkt auf Luftnahunterstützung von Bodentruppen.

Real Thaw 2018Vom Air Command der portugiesischen Luftwaffe wird alljährlich die Übung „Real Thaw“ geplant und durchgeführt. In diesem Jahr fand sie vom 29. Januar bis 9. Februar auf der Base Aerea 5 Monte Real statt. Der Stützpunkt ist Heimat der beiden einzigen Lockheed Martin F-16AM MLU Staffeln, Esquadra 201 „Falcões“ und Esquadra 301 „Jaguares“, und somit der portugiesischen F-16 Flotte. Rund 150km nördlich von Lissabon am Atlantik gelegen kamen rund 35 Luftfahrtzeuge und ca. 1500 Soldaten nach Monte Real. Darunter auch Einheiten der portugiesischen Marine und Armee sowie der Streitkräfte aus Dänemark, Spanien, Frankreich, den Niederlanden, den Vereinigten Staaten von Amerika und der NATO. In den Verantwortungsbereich des portugiesischen Air Command fällt u.a. für die Ausbildung und Vorbereitung der operativen Einheiten auf die Durchführung von Luftoperationen Sorge zu tragen. Real Thaw bietet hier ein Hochwerttraining mit dem Hauptziel die Einsatzfähigkeit und den aktuellen Ausbildungsstand der portugiesischen Luftwaffe in einem multinationalen, gemeinsamen Umfeld innerhalb der NATO zu bewerten und zu steigern. Die Übung wurde auf der Grundlage der Anforderungen an Ausbildung und Qualifikation der einzelnen Einheiten und ihrer Besatzungen entwickelt. Sie soll diese mit den notwendigen Fähigkeiten auszustatten, welche sie für ihre Luftoperationen erforderlich sind. Diese Luftoperationen dienen zur Durchsetzung nationaler militärischer Interessen oder der Beteiligung an militärischen Operationen in verschiedenen internationalen Kooperationsrahmen (NATO, UN oder EU Mandat). Das Übungsszenario ist fiktiv und zielt darauf ab, eine möglichst realistische Einsatzumgebung zu reproduzieren, die so nah wie möglich an die derzeitigen realen Operationsgebiete angelegt ist. Das gesamte Operationsgebiet umfasste fast 200.000 km2 über dem portugiesischen Festland und dem Atlantik. Die geübten Missionen umfassten dabei eine große Brandbreite heutiger Luftkriegsaufgaben:

  • Air Defense / Defense of air assets of strategic importance
  • Protection of helicopters and land transport vehicles in humanitarian missions
  • Close Air support to ground forces and special operations (CAS)
  • Cargo and paratroopers drops
  • Search and Rescue in combat zones / Aeromedical evacuations
  • Conventional guided and high-accuracy ordinance attack on fixed and mobile targets / Conventional attack on maritime forces

Geflogen wurde zweimal täglich sowohl bei Tag als auch bei Nacht. Ein Hauptfokus lag auf den CAS Missionen. Diese beinhalten die Luftnahunterstützung in Form des Einsatzes gegen feindliche Ziele am Boden, die sich in geringer Entfernung zu den eigenen Kräften befinden. Sie erfordern eine detaillierte Koordination zwischen Luft und Boden sowie den präzisen Waffeneinsatz. Die Führung der Luftfahrzeuge übernehmen Fliegerleitoffiziere am Boden. So genannte Forward Air Controller oder Joint Terminal Attack Controller (JTAC) haben die entsprechende Ausbildung und Befähigung um die Flugwege von angreifenden Luftfahrzeugen sowie deren Waffenauslösung zu planen und freizugeben. Die Fliegerleitoffiziere waren entweder selbst einmal Piloten oder sind zumeist Angehörige der Luftstreitkräfte (z. B. Radarleitpersonal, Flugverkehrsleiter). Die Bedeutung dieses Einsatztyps bei realen Missionen der heutigen Zeit wurde durch die anwesenden JATC´s vieler Nationen deutlich. Fliegerleitoffiziere aus den Vereinigen Staaten, Niederlanden, Dänemark und Portugal kooperierten mit den Jets aus Portugal, Dänemark und Spanien um bei über 35 CAS – Missionen zur Unterstützung der Bodenkräfte beizusteuern. Zivile Feinddarsteller der Cobham Ltd aus England flogen mit einer Dassault Falcon 20 zusätzlich elektronische Störmissionen.

Real Thaw 2018 Teilnehmer:

  • Portuguese AF:
    • 8 x F-16AM Esquadra 201/301; BA 5 Monte Real
    • 2 x Alpha Jet A Esquadra 103; BA 11 Beja
    • 1 x C-130H Hercules Esquadra 501; BA 6 Montijo 
    • 1 x C295M ESQ Esquadra 502; BA 6 Montijo 
    • 1 x P-3C CUP+ Esquadra 601; BA 11 Beja
    • 1 x Alouette III Esquadra 552; BA 11 Beja
    • 1 x EH101 Merlin Esquadra 751; BA 6 Montijo 
  • USAF: 2 x C-130H Hercules (94th Airlift Wing/ 700th Airlift Squadron, Dobbins Air Reserve Base)
  • Armee de´l Air: JTAC´s & 1x E-3F (EDCA 01.036, BA702 Avord)
  • Royal Netherlands AF: JTAC´s
  • Royal Danish AF: 8x F-16AM (ESK 727/730, FighterWing Skrydstrup)
  • Spanish AF: 6x EF-18A+ Hornet (ALA 12/15/46, Torrejón/Zaragoza/Gando) & 1x C212 Aviocar (721 ESC)
  • NATO: 1x E-3A Sentry AWACS (Geilenkirchen)
  • Cobham: 1 x Dassault Falcon 20

Real Thaw 2018Seit 2009 findet die Real Thaw Übungsserie immer zu Beginn des Jahres statt. Die günstigen meteorologischen Bedingungen in Portugal zu dieser Jahreszeit machen Real Thaw zum idealen Ort für vom Winterwetter geplagte NATO-Alliierte aus Zentraleuropa um hier zu trainieren. Die Dänische Luftwaffe, bereits Teilnehmer der ersten Übung 2009, nutze Real Thaw 2018 für ihre „Winter Hide“ genannte parallele Übung. Die Dänen verlegen jedes Jahr im Januar/Februar ihren F-16 Trainingsflugbetrieb mit bis zu 12 Jets für ein paar Wochen auf einen NATO Stützpunkt im Süden (z.B. Orange in Südfrankreich; Grosseto in Italien; Monte Real, Portugal). Im Vordergrund für die Dänen stand die Ausbildung junger, unerfahrener Piloten, um diese im gesamten Aufgabenspektrum der F-16 zu qualifizieren. Im Vordergrund steht das gemeinsame Üben verschiedener Einheiten und Nationalitäten. Unter den verschiedenen Nationen werden dabei die gewonnenen Erfahrungen ausgetauscht, um die Verfahren für die einzelnen Einsätze weiter zu vertiefen und noch mehr zu verfeinern. Insgesamt wurden in den beiden Übungswochen von den Teilnehmern bei ca. 400 Flügen über 600 Stunden erflogen. Auch der Einsatz von realen Waffen konnte geübt werden. So wurden hauptsächlich bei CAS Missions etwa 1.500 Schuss mit den Boardkanonen und über 30 konventionelle und gelenkte Waffen abgefeuert. NATO sowie französische E-3 AWACS (Airborne Early Warning and Control System) Frühwarn- und Überwachungsflugzeuge waren für die Luftraumüberwachung (Bereitstellung eines Luftlagebildes), Waffenkontrolle der Kampfflugzeuge und die taktische Führung und Kontrolle der Einsätze zuständig. „Die portugiesische Luftwaffe ist stolz darauf, mit unseren NATO – Verbündeten eine gemeinsame, multinationale und erfolgreiche Übung durchgeführt zu haben“, sagte Oberstleutnant João „Jedi“ Rosa, der Excercise Commander. „Ziel von Real Thaw 18 war es gemeinsam zusammenzuarbeiten und die Fähigkeiten unserer Luftwaffe zu evaluieren und auszubauen. Die NATO – Verbindungen zu stärken und die Interoperabilität zu verbessern. Alles lief genau wie geplant“, bewertete Rosa die Übung als Erfolg. „Alle Teilnehmer haben großartige Beiträge geleistet und wir konnten alle Air Tasking Orders wie geplant fliegen“, fügte er hinzu. Auch die Teilnehmer zogen ein positives Feedback: „Real Thaw bot für uns eine einzigartige Trainingsmöglichkeit hier in Europa“, resümierte Major Richard Konopczynski, stellvertretender Deployment der 94 Airlift Wing (Lufttransportgeschwader) / 700. Airlift Squadron (Lufttransportstaffel). „Wir arbeiteten eng mit unseren Koalitionspartnern zusammen, trafen weitere C-130 Herkules Einheiten zum Erfahrungsaustauch und gemeinsamen fliegen.“ ■

Publikationen

FliegerRevue 04/2018

Text: © Mathias Grägel
Bilder: © Mathias Grägel / GME-AirFoto Februar 2018