Mit zwei Doppeldeckern über der Homebase

Air-to-Air Christen Eagle

Wer einmal die Welt durch die Tragflächen eines Doppeldeckers gesehen hat, wird nie wieder der gleiche Mensch sein." (Richard Bach)
Seit dem Flugplatzfest in Gundelfingen 2008, darf auch ich mich zu den glücklichen Menschen zählen, die die Welt durch die Tragflächen eines Doppeldeckers gesehen haben. Der Flug mit der ca. 60 Jahre alten Focke Wulf FW44 Stieglitz D-EMIL ist schon ein ganz besonderes Erlebnis. Kein Vergleich zu der gewohnten Ultraleichtfliegerei. Das offene Cockpit, der Sound, der Geschmack und vor allem die Ölflecken, die man nach dem Flug im Gesicht hat, - das ist Fliegen pur. Die Männer in ihren tollkühnen Kisten, das fliegen der 30´ger Jahre. Der zweite Doppeldecker, von dem wir während des Fluges begleitet wurden, war die Christen Eagle D-EEMM, mit Kai Frommelt am Steuer. Die kunstflugtaugliche Eagle hängte sich an unsere Wing und "posierte" bei bestem Wetter in 2000 Fuß.
Nach dem Start in Gundelfingen, ging es erstmal auf Höhe. Der Stieglitz klettert doch wesentlich langsamer als die Eagle und so turnte Kai in der Zwischenzeit noch eine Weile um uns herum. In der Nähe des Flugplatzes formierten wir uns dann mit der "Mike Mike" und es folgte eine Reihe von Formationsüberflügen über dem Flugplatz. Die Besucher des Festes waren begeistert und auch wir setzten nur widerwillig zur Landung an.

Das Fotoflugzeug: Focke Wulf FW44 Stieglitz D-EMIL

Die D-EMIL gehört zum "Hanseatischer Flieger Club", der seine Heimat in Egelsbach-Frankfurt hat. Der HFC gehört zur Gruppe der Sportvereine der Deutschen Lufthansa AG, was auch die Lackierung der EMIL, mit dem Kranich auf dem Leitwerk, erklärt. Geflogen wird sie von einer kleiner Gruppe auserwählter Piloten, die meisten im Dienste der Lufthansa. So ist Thomas Kretschmar (LH Cargo) schon ein "Gufi - Veteran". Gerd Rupp, der Pilot bei diesem Flug, flog vor seiner Pensionierung natürlich auch bei der größten deutschen Airline und war u.a. Ausbildungskapitän auf A340. Beide absolute Vollprofis.
Die Stieglitz, deren Erstflug 1932 stattfand, ist als zweisitziger, kunstflugtauglicher Doppeldecker ausgelegt. Sie war das Standardschulflugzeug der deutschen Luftwaffe während des zweiten Weltkrieges. Angetrieben wird die EMIL von einem 160 PS starken Siemens Sh14A-4 7-Zylinder Sternmotor, welcher mit unvergleichlichem Sound seinen Dienst aufnimmt.

Tanken, Take-off und Höhe gewinnen

Christen Eagle D-EEMM

Die Ähnlichkeit der Eagle zur weltberühmten Pitts ist nicht verwunderlich, denn entstanden ist die Konstruktion von Frank Christensen, aufgrund der Erfahrungen die Christensen mit seiner Pitts Special machte. Die Maschine, die nur als Kitplane erhältlich ist, fand von Anfang an, reisenden Absatz. Noch heute kann der Bausatz bei Aviat Aircraft in den Staaten erworben werden.
Die Mike Mike ist Baujahr 1986 und wird von einem 210 PS starken Lycoming AEIO-360 angetrieben. Betrieben wird der rote Alder, mit nur 6m Spannweite, von einer Haltergemeinschaft in Mainz. Tim Tibo, ebenfalls einer der Piloten der HG, ist mit der Eagle u.a. Teil des Asko Pitts Teams. Zum Wochenende nach Gundelfingen flog Kai Frommelt mit seinem roten Kunstflieger aus Egelsbach ein. Wie Thomas und Gerd fliegt Kai bei der Kranichairline und ist ebenfalls Pilot der Stieglitz beim HFC. Kai hatte während des Fluges auch den schwierigsten Job. Da die Performance der Doppeldecker sehr unterschiedlich ist, war es nicht einfach die Formation mit der schnellen Eagle und dem langsamen Stieglitz zu fliegen. Klasse Job, Kai.

Vielen Dank

Mein Dank geht vor allem an Thomas Kretschmer, der diesen wunderschönen Flug möglich machte. Danke auch an die beiden erstklassigen Piloten Gerd Rupp in der Stieglitz und Kai Frommelt in der Eagle. Ohne die perfekte Leistung der beiden am Knüppel, wären die schönen Bilder nicht zustande gekommen. Vielen Dank für den schönen Flug an euch alle.

Text: © Mathias Grägel
Bilder: © Mathias Grägel / GME-AirFoto August 2008