Selbst der Himmel weinte zum Abschluss
Flugplatz Leipheim
The "Last Call" - das Ende einer großen Ära. Am 25.09.2008 fand das letzte Werftfest der Bundeswehr auf dem Flugplatz Leipheim statt. Die Bundeswehr schließt zum 31.12.2008 den Standort endgültig, nachdem der Flugbetrieb schon 1994 eingestellt wurde. Der Fliegerhorst war mehr als ein Stützpunkt für Soldaten. Für Tausende war dieses über 260 Hektar große Gelände der Lebensmittelpunkt. Die Bevölkerung erhielt noch ein letztes Mal die Gelegenheit den Flugplatz zu besuchen und Abschied zu nehmen. Trotz des schlechten Wetters mit tief stehenden Wolken, teilweise Regen und niedrigen Temperaturen kamen noch einmal dutzende Menschen um Abschied zu nehmen von einem großen Stück deutscher Luftfahrthistorie die letzte Ehre zu erweisen.
Last Call / Werftfest
Zum Werftfest wurden für die Besucher alle Tore geöffnet und u.a. Rundflüge mit den Flugzeugen der Bundeswehr Sportfliegergemeinschaft Leipheim (BwSFG Leipheim) angeboten. Diese wurde trotz des schlechten Wetters auch gut angenommen und Piper L18, WildThing sowie der Falke waren den ganzen Tag in der Luft. Die Sportflieger sind seit langem die letzten "Aktiven" in Leipheim - ihre Zukunft genau so unsicher wie die des Geländes. Der geplante letzte Überflug einer Me 262, der Tango Tango aus Manching, konnte bedauerlicherweise nicht stattfinden - das Wetter war dagegen. Stattdessen gab es Pilatus P3, Yak18 und 52 am Boden, sowie in der Luft, zu sehen. Der Beitrag der Luftwaffe zum Abschied: Eine Bo105 aus Laupheim!!!
Man hätte sich den Überflug eines Eurofighters gewünscht, immerhin liegt die Wiege des JG74 aus dem nahe gelegenen Neuburg auch hier in Leipheim; die BW legt hier leider keinen allzu großen Wert auf Tradition bzw. einer stilvollen Verabschiedungen.
History Leipheim
Die History des Flugplatzes ist lang, 73 Jahre Militär-Geschichte gingen zu Ende. In 1935 startet der Bau des Platz in Hitlerdeutschland, 1937 bezogen die ersten Soldaten Stellung. Im Krieg sind dann Kampfgeschwader der Reichsluftwaffe stationiert. Erster großer Meilenstein war während des zweiten Weltkrieges, der Erstflug der legendären Me262 am 18.07.1942. Das erste in Serie gebaute Jetflugzeug der Welt startet hier im schwäbischen Bayern zum ersten Mal - ein neues Zeitalter beginnt.
Nach dem Krieg waren sowohl die Amerikaner als auch die Bundesluftwaffe auf dem Platz vertreten. Ab 1957 fand wieder militärischer Flugbetrieb statt. Die Blütezeit erlebt Leipheim von 1962-1975, als das AG53/LEKG 44 mit der Fiat G.91 Gina hier stationiert ist. Nach dem Abzug des LEKG44 nach Beja / Portugal, wird die Technische Gruppe 31 als Schleuse für den Alpha-Jet in Dienst gestellt. Das erste neue Kampfflugzeug landet am 22. Februar 1979 fabrikneu und wird für die Übergabe an ein Geschwader getestet und umgerüstet.
In den 80´gern siedelt sich die U.S. Air Force mit der A-10 Thunderbolt in Leipheim an. Über 12 Jahre bis 1992 bleiben die Amerikaner als einziger fester Verband in Leipheim. Ende 1982 landet der erste Tornado der LW in Leipheim, 1988 hält das Waffensystem "Roland" Einzug. In den 90´ger Jahren (06.92/1993) war dann das JaboG 32 mit ihren Tornados noch einige male zu Gast, als auf ihrem Heimatstützpunkt in Lechfeld die Bahn erneuert wurde.
Die Bediensteten, ob Militär oder zivil haben alles gemeistert, doch am 31. März 1994 gingen die Lichter an der Startbahn in Leipheim aus. Der letzte Überflug, es kommen nochmal 40 Tornados aus Lechfeld, dann werden keine Düsenjäger mehr landen und starten. Das Jetzeitalter, das 1942 mit dem Erstflug der Me 262 in Leipheim begann, endet. Es dauert noch 14 Jahre bis dann der letzte Soldat das Gelände verlässt. Und bald wird Gras wachsen über die Startbahn, von der es noch so viel zu erzählen gibt. Jetzt zum Ende der BW, war noch das Luftwaffenversorgungsregiment 3 der Luftwaffenwerft 33 in Leipheim stationiert.
LeKG 44
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1962: Indienststellung des AG 53 in Leipheim auf Fiat G.91
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1965: Das AG 53 Leipheim wird in das LeKG 44 umbenannt. (01.06.) Kommodore ist Oberst Spohr
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1966: 11. Aufklärungswettbewerb "Royal Flush" der NATO - LeKG 44 als bestes deutsches Team auf viertem Platz
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1966: Geschwader absolviert NATO-Überprüfung (TACEVAL) mit einer sehr guten Gesamtbeurteilung.
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1967: Erster Nachtflug in Leipheim
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1972: Als ersten LW - Verband wird die 100 000. Flugstunde auf dem "Einsatzmuster" Fiat G91 erreicht.
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1973: Das LeKG 44 erhält den Flugsicherheitspreis für unfallfreien Flugbetrieb und beim TACEVAL Bestnoten(Der Verband flog an einem Tag 205 Einsätze, eine Zahl, die noch nie von einem Geschwader der Luftwaffe erreicht wurde. 349 Einsätze an zwei Tagen, wobei der "Klarstand" der Flugzeuge immer bei 100 Prozent lag)
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1973: Flugtag mit über 100 000 Besucher
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1975: Auflösung des Geschwaders und Umwandlung in eine Geräteeinheit
Flugplatz
Flugbetrieb BwSFG
Fazit
Mit dem BW - Stützpunkt bzw. dem Flugplatz Leipheim ist nun ein weiteres Stück traditionsreicher deutscher Luftfahrtgeschichte vom Erdboden verschwunden. Ein Schicksal, das nicht nur Leipheim in diesen letzten Tagen des Jahres 2008 ereilte. Zum 31.12.08 wurde auch Tempelhof in Berlin - ein weiterer Platz mit höchster historischer Bedeutung - geschlossen. Traurige Zeiten für die einst so stolzen und wichtigen Flugplätze der Deutschen.
Was mit dem über 260 Hektar großen Flugplatzgelände in Leipheim passiert, steht im Moment noch in den Sternen. Man kann nur hoffen, dass zumindest Teile als Museum oder in ähnlicher Weise erhalten bleiben.
Das letzte Werftfest war trotz des Wetters (welches aber zum Anlass passte) ein letzter schöner Tag in der Geschichte des Leipheimer Platzes.
Wir bedanken uns bei Reinhard Hufnagel und der ganzen BwSFG Leipheim für die nette Gastfreundschaft und wünschen unseren Fliegerfreunden viel Erfolg und das nötige Glück für die Erhaltung ihrer Fluggelegenheit auf dem Leipheimer Platz. Was bleibt sind Erinnerungen und
Ein Abschied mit Wehmut!
Abschied...
Text: © Mathias Grägel
Bilder: © Charly & Mathias Grägel / GME-AirFoto 2008