Fliegerschiessen Axalp – Ebenfluh 2011 (CH)


axalp201135Mit dem Funkspruch «Shark One: Clear In, Hot!» erteilt der Schiessleiter im Kommandoposten auf der Axalp dem Leader einer Vierer-Formation F-5E Tiger II die Freigabe für den ersten Angriff. Mit entsicherten Boardkanonen feuern sie ihre Salven gegen die im Felshang markierten Übungsziele. Was nirgendwo sonst in dieser Form beobachtet werden kann, ist das Kanonen-Schießen auf die verschiedenen Ziele, wobei die F-5E Tiger und die F/A-18 Hornets nach der Schussabgabe bei 800 km/h jeweils wieder beeindruckend schnell in den Deckungen verschwinden, welche ihnen die Berge und Täler bieten. Auf dem Kanonenschiessparcours mit Zielanflügen aus sechs verschiedenen Himmelsrichtungen dokumentierten die Piloten der Schweizer Luftwaffe eindrücklich ihre Leistungen in diesem anspruchsvollen alpinen Terrain. Offiziell fand dieses Jahr jedoch gar kein Fliegerschiessen auf der Axalp auf über 2200 Meter über Meer statt. Aufgrund der möglichen Armeeeinsätze (Helikopterkapazitäten) im Zusammenhang mit den schweren Niederschlägen in der Südschweiz hatte die Armeeführung entschieden, auf das Fliegerschiessen an den offiziellen Showtagen zu verzichten. Der Trainingstag am Dienstag konnte bei herrlichem Herbstwetter jedoch durchgeführt werden. Mehrere Hundert geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Armee, Journalisten sowie Botschafter, Militärattachés und Bundesräte flog die Luftwaffe mit acht Super Pumas und Cougar Transporthelikokoptern im «Big-Lift» vom Militärflugplatz Meiringen aus auf die Ebenfluh. Einige tausend Besucher erklimmten jedoch zu Fuß mit Sack und Pack auf dem Rücken die Zuschauerzonen an den Südhängen von Tschingel und Axalphorn. Bereits früh morgens ab 6 Uhr geht es von Axalp – Dorf mit dem Sessellift los. Der folgende Aufstieg in eine der drei Zonen dauert zwischen ein und drei Stunden und hinterlässt so manche Schweißperle auf der Stirn. Doch die Strapazen werden mit einem eindrucksvollen Programm belohnt.
Wie in den vergangenen Jahren gehörten das Super Puma/Cougar-, Jetpiloten-Schulflugzeug Pilatus PC-21 – und F/A-18C Hornet-Solo-Display genauso zur einmaligen Vorführung wie das perfekt ins Gelände eingepasste Programm der Patrouille Suisse zum Abschluss des Programmes. Geräuschlos war der Anflug der zwölf Fallschirmaufklärer, die aus 1500 Meter über Grund aus zwei PC-6 Turbo Portern absprangen. Begleitet von passender Musik schwebten sie an der Zuschauerzone Tschingel vorbei in Richtung Axalp-Dorf und zeigten dabei die Fahnen der Schweiz, der Kantone und der Schweizer Luftwaffe. Während der EC635 eine Rettung mit Windeneinsatz zeigte waren weiter zwei Super Puma in einer Feuerlöschdemonstration, zur Wasseraufnahme diente der malerisch im Tal gelegene Brienzer See, zu sehen. Den Beginn machte das eigentliche Fliegerschiessen von vier F/A-18C Hornet der Fliegerstaffel 11 und sieben F-5E Tiger II der Fliegerstaffel 8 jeweils aus Meiringen. Dieser Erdkampf, wie er auf der Axalp betrieben wird, ist eine von diversen Kompetenzen eines F/A-18 Piloten. Die M-61 Vulcan 20mm Kanone der F/A-18 mit ihrer Kadenz von 6000 Schüssen pro Minute ist zwar auch gegen Bodenziele äußerst wirksam. Für eine umfassende Erdkampffähigkeit fehlen der Schweizer Luftwaffe aber seit dem Ende der Hawker Hunter-Ära wesentliche Mittel. So ist die Hornet zwar grundsätzlich zum Luft- und Erdkampf fähig, es wurden in der Schweiz aber nie die entsprechenden Waffensysteme (z.B. Zielbeleuchter, Präzisionswaffen) für die Luft-Boden-Rolle beschafft. Das Training auf der Axalp ist wichtig zur Kompetenzerhaltung der Grundkenntnisse im Bereich Erdkampf. Ein Pilot der Staffel 11 erklärte am KP: «Was wir hier trainieren, hat nichts zu tun mit Close Air Support (CAS) oder Air Interdiction (AI), den klassischen Formen der Erdkampfunterstützung, bspw. in der NATO. Das Schießen mit Bordkanonen im Gebirge ist aber in der Ausbildung deshalb so wichtig, weil diese formellen Schießparcours erlauben, ein Waffensystem „hot“, das heißt live und im scharfen Schuss zu verwenden. Präzise Voltengeometrien, exakte Fluggeschwindigkeiten, Aufziehen und zeitgerechtes Eindrehen gegen den Zielhang, korrekter Stechwinkel, ideale Schussdistanz, rechtzeitiges Degagieren und das sichere Koordinieren der Flugwege innerhalb des Verbandes machen diese Schiessparcours zu anspruchsvollen Trainingsübungen. Das Beherrschen dieses Grundhandwerks bildet dann die Basis, um komplexere Szenarien oder Waffensysteme handhaben zu können.» ■

Text: © Mathias Grägel
Bilder: © Mathias & Charly Grägel / GME-AirFoto Oktober 2011