Der Flughafen Leoš Janáček in Ostrava-Mošnov verwandelte sich am 20. und 21. September 2025 erneut in das Zentrum der europäischen Militärluftfahrt. Bei den NATO Days und Czech Air Force Days präsentierte sich Italien dieses Jahr als offizielle Partnernation. Nach der witterungsbedingten Absage im Vorjahr unterstrichen rund 150.000 Besucher und Delegationsteilnehmer aus 17 Nationen die geopolitische Bedeutung dieses Großevents an der Ostflanke des Bündnisses.
Es gibt Termine im europäischen Luftfahrtkalender, die sich längst von einer bloßen Publikumsveranstaltung zu einem sicherheitspolitischen Statement gewandelt haben. Die NATO Days in Ostrava gehören zweifellos dazu. Am 20. und 21. September 2025 verwandelte sich der Flughafen Leoš Janáček in Ostrava-Mošnov ganz im Osten Tschechiens zum fünfundzwanzigsten Mal in eine Bühne, auf der sich Luftstreitkräfte, Bodentruppen und Rettungsorganisationen aus dem gesamten NATO-Bündnisgebiet einem breiten Publikum präsentierten. Gemeinsam mit den 16. Czech Air Force Days ausgerichtet, bestätigte die Veranstaltung damit erneut ihren Rang als große sicherheitspolitische Leistungsschau in Europa. Bei perfektem Spätsommerwetter und Temperaturen um die 25° C näherte sich die Zahl der Grenze von 150.000 Besuchern an beiden Showtagen.
Naturgemäß zog auch in diesem Jahr das dynamische Programm die größte Aufmerksamkeit auf sich und die drei Kunstflugstaffeln bildeten dessen unbestrittenen Höhepunkt: die britischen Red Arrows mit ihren neun BAE Systems Hawk T.1, die türkischen Turkish Stars auf NF-5 Freedom Fighter sowie das kroatische Team Krila Oluje. Ergänzt wurde das Bild durch Solo-Displays und Formationsvorführungen weiterer NATO-Muster. Die Bandbreite erstreckte sich von der französischen Rafale über die tschechische L-39NG bis zur slowakischen Black Hawk. Das Programm verteilte sich auf zwei Tage mit insgesamt über neunzehn Stunden und mehr als neunzig dynamischen Vorführungen.
Auch die Bundeswehr war in Ostrava traditionsgemäß sowohl in der Luft als auch am Boden stark vertreten. Die Luftwaffe präsentierte den Eurofighter Typhoon im Solo-Display und stellte mit dem A400M Atlas einen der wenigen strategischen Lufttransporter des Bündnisses zur Schau, dessen Vorführung insbesondere die logistische Reichweite der europäischen NATO-Partner unterstrich. Ergänzt wurde der deutsche Beitrag durch das Heer, das mit dem Kampfhubschrauber Tiger und dem Transporthubschrauber NH90 TTH ein Display zeigte. Am Boden waren unterschiedlichste Fahrzeuge wie der Leopard 2 und die Panzerhaubitze 2000 ausgestellt.
Als offizielles Partnerland dominierte Italien sowohl im Static Display als auch in der Luft das Geschehen. Die Aeronautica Militare Italiana (AMI) präsentierte hier wie gewohnt ihre aktuellen Muster (Eurofighter, C-27 und M-346) durch die Testeinheit der 311° Gruppo / RSV. Die Marina Militare setzte mit der Flugdemonstration des AV-8B+ Harrier II einen seltenen Akzent für STOVL-Fähigkeiten (Short Take-Off and Vertical Landing). Ein Harrier-Display ist in 2025 schon eine Rarität am Airshowhimmel. Ergänzt wurde die italienische Präsenz durch die noch rarere Doppelsitzer-Variante TAV-8B im statischen Bereich sowie die F-35A und ein Tornado in der wunderschönen Sonderlackierung „50 Jahre Tornado“ der 6° Stormo aus Ghedi. Dazu kam eine C-130 Herkules sowie etliche Panzer und Bodenfahrzeuge.
Der AV-8B Harrier II Plus bildet bis heute das einzige Flächenflugzeug-Muster der italienischen Marine und ist damit seit Jahrzehnten untrennbar mit der trägergestützten Luftfahrt des Landes verbunden. Stationiert auf dem Fliegerhorst Taranto-Grottaglie, bildet die Flotte das Einsatzgeschwader des Flugzeugträgers Cavour. Zuvor diente bereits die Giuseppe Garibaldi als Heimatschiff der Senkrechtstarter. Von ursprünglich neunzehn beschafften Maschinen (sechzehn Ein- und drei Doppelsitzer) steht mittlerweile nur noch ein reduzierter Bestand im aktiven Flugbetrieb, da die schrittweise Ablösung durch die F-35B Lightning II bereits läuft und bis Ende des Jahrzehnts abgeschlossen sein soll. Damit reiht sich Italien in eine kleine, aber schrumpfende Gruppe von Nationen ein, die den senkrechtstartfähigen Harrier noch operativ betreiben. Nach dem Ausscheiden der US-Marines im Sommer 2026 dürfte neben Italien bald nur noch Spanien als Nutzer verbleiben.
Fachlich bot die Ausgabe 2025 bedeutsame Premieren und Einblicke in die laufende Modernisierung der Luftstreitkräfte der mitteleuropäischen Bündnispartner. Den womöglich bedeutsamsten Programmpunkt lieferte in diesem Jahr nicht eine der etablierten Kunstflugstaffeln, sondern ein einzelnes Muster: die neue Lockheed Martin F-16C/D Block 70/72 der slowakischen Luftstreitkräfte, die in Ostrava ihr internationales Debüt gab. Der Auftritt markiert den Abschied der Slowakei von der betagten MiG-29-Flotte sowjetischer Provenienz und den endgültigen Übergang zu einem westlich geprägten, multirollenfähigen Waffensystem. Für die Interoperabilität innerhalb der alliierten Luftverteidigung dürfte dieser Schritt von einigem Gewicht sein, verringert er doch eine der letzten Bruchlinien zwischen Alt- und Neu-NATO in der Luftflottenstruktur Mitteleuropas.
Der Beschaffungsprozess selbst reiht sich damit in einen breiteren mitteleuropäischen Trend ein: Auch Polen, Bulgarien (F-16 für MiG-29) und mit der F-35 die Tschechische Republik selbst haben sich in den vergangenen Jahren für moderne westliche Muster entschieden und damit die östliche Flanke des Bündnisses in ihrer Ausstattung sukzessive homogenisiert. Die slowakische Beschaffung von insgesamt vierzehn F-16 Block 70/72 gilt dabei als eines der letzten großen Kapitel dieser Transition, deren vollständiger Abschluss noch aussteht, aber mit dem Ostrava-Debüt einen sichtbaren Meilenstein erreicht hat.
Ebenfalls eine Premiere feierte die Embraer KC-390 Millennium der portugiesischen Luftwaffe (FAP): Portugal präsentierte den zweistrahligen Multi-Mission-Transporter, der bis zu 26 Tonnen Fracht oder 80 Soldaten befördern kann, erstmals in Ostrava. Das Muster unterstreicht mit seiner Fähigkeit zur Luftbetankung und zum Einsatz von unbefestigten Pisten das Konzept des Agile Combat Employment (ACE) und fügt sich damit in die zunehmende Bedeutung dezentraler, flexibler Einsatzkonzepte innerhalb der Allianz ein. Die Präsentation stieß auf besonderes Interesse des tschechischen Militärs, da die heimische Luftfahrtindustrie, allen voran Aero Vodochody, als Zulieferer am KC-390-Programm beteiligt ist.
Den eigentlichen Höhepunkt des strategischen Programmteils bildete jedoch die Rückkehr eines alten Bekannten der US Air Force. Erstmals seit 2010 wieder in Ostrava zu Gast, hat sich der Langstreckenbomber Boeing B-52H Stratofortress über die Jahre nahezu zu einem inoffiziellen Wahrzeichen der Veranstaltung entwickelt. Mit einer Spannweite von über 56 Metern, acht Triebwerken und einer Nutzlast von bis zu 32 Tonnen konventioneller wie nuklearer Bewaffnung demonstrierte der Bomber eindrucksvoll jene Fähigkeit zur schnellen Verlegung strategischer Kapazitäten innerhalb des Bündnisgebiets, die seinen Auftritt zu einem der meistfotografierten Momente des gesamten Wochenendes machte. Die „BUFF“ soll trotz ihres Erstflugs im Jahr 1952 dank fortlaufender Modernisierung noch weit über 2040 hinaus im aktiven Dienst stehen.
Neben dem spektakulären Flugprogramm verdient jene Ausstellungsfläche am Boden Beachtung, die sich der fortschreitenden Modernisierung alliierter Luftverteidigungssysteme widmete. Radartechnik, elektronische Kampfführung, moderne Panzer und passive Überwachungssysteme wurden dem Fachpublikum ebenso vorgeführt wie den zahlreichen interessierten Laien. Ein Hinweis darauf, dass sich die NATO Days längst nicht mehr allein über spektakuläre Vorbeiflüge definieren, sondern zunehmend als Schaufenster für jene technologischen Fähigkeiten fungieren, die im Ernstfall über Aufklärung und Abwehr entscheiden. Die Besucher bekamen hier einen umfassenden Einblick in moderne Kriegsführung.
Wer die NATO Days in Ostrava lediglich als Airshow im herkömmlichen Sinne begreift, verkennt ihre eigentliche Funktion. Unter dem Leitmotiv „Unsere Sicherheit ist kein Selbstläufer, und ohne Sicherheit gibt es keinen Wohlstand“ hat sich die von der Organisation Jagello 2000 getragene Veranstaltung zu einem Event entwickelt, an dem sich militärische Leistungsschau, öffentliche Kommunikation und bündnispolitische Symbolik auf bemerkenswerte Weise verschränken. Dass der Eintritt trotz jährlich steigender Ausrichtungskosten unverändert kostenfrei bleibt, unterstreicht den Anspruch der Veranstalter, Sicherheitspolitik nicht als abstraktes Expertenthema, sondern als unmittelbar erfahrbares Anliegen der Bürgerinnen und Bürger zu vermitteln.
Die 2025er Ausgabe zeigte deutlich, wie tief die Integration neuer Waffensysteme in den osteuropäischen Bündnisstaaten voranschreitet. Neben der reinen Demonstration von Luftüberlegenheit lag der Schwerpunkt auf der Interoperabilität zwischen Luft- und Landstreitkräften, der Logistikkette und der Verlegbarkeit von Truppenteilen unter realistischen Bedingungen. Das Event hat seine Position als führende militärische Sicherheits- und Luftfahrtveranstaltung in Mitteleuropa nachhaltig gefestigt. Auch im nächsten Jahr wird das Event wieder im September (19.- 20.09.2026) stattfinden. Partnernation wird dann Deutschland sein. ■
■ Bilder & Text: Mathias Grägel / GME-AirFoto GbR September 2025
🇬🇧/🇺🇸:
On 20 and 21 September 2025, Leoš Janáček Airport in Ostrava-Mošnov once again became the epicentre of European military aviation. At this year’s NATO Days and Czech Air Force Days, Italy took the stage as official partner nation. Following the previous year’s weather-related cancellation, some 150,000 visitors and delegations from 17 nations underscored the geopolitical significance this major event holds on the Alliance’s eastern flank.
There are dates on the European aviation calendar that have long since evolved from a mere public spectacle into a genuine statement of security policy. NATO Days in Ostrava is unquestionably one of them. On 20 and 21 September 2025, Leoš Janáček Airport in Ostrava-Mošnov, in the far east of the Czech Republic, transformed for the twenty-fifth time into a stage on which air forces, ground troops, and rescue organisations from across the entire NATO alliance area presented themselves to a broad public. Held jointly with the 16th Czech Air Force Days, the event once again confirmed its standing as one of the great security-focused showcases in Europe. Under near-perfect late-summer conditions, with temperatures around 25°C, attendance across the two show days approached the 150,000 mark.
Unsurprisingly, the dynamic programme once again drew the greatest attention, with three aerobatic teams forming its undisputed centrepiece: Britain’s Red Arrows with their nine BAE Systems Hawk T1s, Turkey’s Turkish Stars flying the NF-5 Freedom Fighter, and Croatia’s Krila Oluje. The picture was rounded out by solo displays and formation flights from further NATO types, ranging from the French Rafale and the Czech L-39NG to the Slovak Black Hawk. The programme was spread across two days, totalling more than nineteen hours and upwards of ninety dynamic displays.
The Bundeswehr, too, maintained its traditionally strong presence at Ostrava, both in the air and on the ground. The Luftwaffe presented the Eurofighter Typhoon in a solo display and showcased the A400M Atlas, one of the Alliance’s few strategic airlifters, whose performance in particular underscored the logistical reach available to Europe’s NATO partners. The German contribution was rounded out by the Heer (German Army), which fielded a display featuring the Tiger attack helicopter and the NH90 TTH transport helicopter. On the ground, a broad range of vehicles was on show, including the Leopard 2 main battle tank and the PzH 2000 self-propelled howitzer.
As official partner nation, Italy dominated proceedings both in the static display and in the air. The Aeronautica Militare Italiana (AMI), true to form, presented its current fleet — the Eurofighter, the C-27, and the M-346 — flown by the test unit of 311° Gruppo/RSV. The Marina Militare, meanwhile, set a rare accent for STOVL capability with a flying display of the AV-8B+ Harrier II. A Harrier display is already something of a rarity on the 2025 airshow circuit. Italy’s presence was further rounded out by the even rarer two-seat TAV-8B variant in the static park, alongside an F-35A and a Tornado wearing the striking „50 Years of Tornado“ special livery of 6° Stormo from Ghedi. A C-130 Hercules and a number of armoured vehicles completed the picture.
The AV-8B Harrier II Plus remains, to this day, the Italian Navy’s sole fixed-wing type, and has for decades been inseparably linked with the nation’s carrier aviation. Based at Taranto-Grottaglie airfield, the fleet forms the embarked air wing of the aircraft carrier Cavour; before her, the Giuseppe Garibaldi served as home ship for the vertical-landing jets. Of the nineteen airframes originally procured (sixteen single-seaters and three two-seat trainers), only a reduced number now remain in active flying service, as the gradual transition to the F-35B Lightning II is already under way and is expected to be complete by the end of the decade. Italy thus finds itself among a small — and shrinking — group of nations still operating the vertical-take-off-capable Harrier: following the retirement of the type from US Marine Corps service in summer 2026, Spain is likely to remain the only other operator alongside Italy.
From a technical standpoint, the 2025 edition delivered significant premieres and fresh insight into the ongoing modernisation of Central Europe’s allied air forces. Arguably the most consequential item on this year’s programme came not from one of the established aerobatic teams, but from a single type: the Slovak Air Force’s new Lockheed Martin F-16C/D Block 70/72, making its international debut in Ostrava. The appearance marks Slovakia’s departure from its ageing, Soviet-era MiG-29 fleet and its definitive transition to a Western-built, multirole weapons system. For interoperability within Allied air defence, this step carries considerable weight, closing one of the last remaining fault lines between „old“ and „new“ NATO in Central Europe’s air fleet structure.
The procurement itself fits into a broader Central European trend: Poland, Bulgaria (replacing the MiG-29 with the F-16), and, with the F-35, the Czech Republic itself, have all opted in recent years for modern Western types, progressively homogenising the Alliance’s eastern flank in terms of equipment. Slovakia’s acquisition of a total of fourteen F-16 Block 70/72s stands as one of the final major chapters in this transition – one whose completion is still pending, but which reached a visible milestone with its Ostrava debut.
A premiere was also celebrated by the Portuguese Air Force’s (FAP) Embraer KC-390 Millennium: Portugal presented the twin-engine multi-mission transport, capable of carrying up to 26 tonnes of cargo or 80 troops, in Ostrava for the first time. With its air-to-air refuelling capability and its ability to operate from unpaved runways, the type embodies the concept of Agile Combat Employment (ACE), reflecting the Alliance’s growing emphasis on decentralised, flexible force employment. The presentation drew particular interest from the Czech military, given that the domestic aerospace industry – Aero Vodochody foremost among them – is a supplier to the KC-390 programme.
The true highlight of the strategic segment of the programme, however, was the return of an old acquaintance from the United States Air Force. Making its first appearance in Ostrava since 2010, the Boeing B-52H Stratofortress long-range bomber has, over the years, become something of an unofficial symbol of the event in its own right. With a wingspan of more than 56 metres, eight engines, and a payload of up to 32 tonnes of conventional or nuclear ordnance, the bomber offered a striking demonstration of the Alliance’s capacity for rapid strategic power projection across its territory – an appearance that made it one of the most photographed moments of the entire weekend. Despite having first flown back in 1952, the „BUFF“ is expected, thanks to continuous modernisation, to remain in active service well beyond 2040.
Alongside the spectacular flying programme, the ground-based exhibition area devoted to the ongoing modernisation of Allied air defence systems deserves attention in its own right. Radar technology, electronic warfare systems, modern main battle tanks, and passive surveillance systems were all presented to specialists and interested laypeople alike – a clear indication that NATO Days can no longer be defined solely by spectacular flypasts, but increasingly serves as a showcase for precisely those technological capabilities that, in a real contingency, would determine the outcome of reconnaissance and defence. Visitors were afforded a comprehensive glimpse into the realities of modern warfare.
To regard NATO Days in Ostrava as nothing more than a conventional airshow is to misunderstand its true purpose. Under the guiding motto „Our security is not a given, and without security there is no prosperity,“ the event, staged by the organisation Jagello 2000, has developed into a occasion in which military showcasing, public communication, and alliance-political symbolism intertwine in a remarkable way. That admission remains free of charge despite year-on-year rising staging costs underscores the organisers‘ ambition: to present security policy not as an abstract subject reserved for experts, but as a matter directly relevant to, and experienced by, ordinary citizens.
The 2025 edition made unmistakably clear just how deeply the integration of new weapons systems is progressing across the Alliance’s Eastern European member states. Beyond the pure demonstration of air superiority, the emphasis this year lay on interoperability between air and land forces, on the logistics chain, and on the deployability of troop formations under realistic conditions. The event has firmly consolidated its position as Central Europe’s leading military security and aviation showcase. Next year’s edition will once again take place in September (19–20), with Germany serving as partner nation. ■