Das Taktische Luftwaffengeschwader 74 (TaktLwG 74) ist einer der wichtigsten Luftwaffenverbände des Landes. Beheimatet ist es in Neuburg an der Donau im Herzen von Bayern. Ausgerüstet mit dem Eurofighter sichern die Luftverteidigungsspezialisten rund um die Uhr den süddeutschen Luftraum. Das Jahr 2025 stand im Zeichen von hochintensiven NATO-Verpflichtungen, Übungen aber auch dem Eurofighter Solo Display.
Als Heimat der „Bavarian Tigers“ ist das Taktische Luftwaffengeschwader 74 (TaktLwG 74) fester Bestandteil des Stadtbildes und der regionalen Identität in Neuburg an der Donau. Auch das Jahr 2025 reihte sich nahtlos in die bewegte Geschichte des Verbandes ein: Zwischen hochintensiven NATO-Verpflichtungen, tief verwurzelter Heimatverbundenheit und spektakulären Auftritten am europäischen Airshow-Himmel zeigte das Geschwader einmal mehr seine enorme Bandbreite als einer der einsatzstärksten Kampfverbände der Luftwaffe.
Unter Führung von Kommodore Oberst Jürgen Schönhöfer setzte das Geschwader 2025 verstärkt auf einsatznahe Ausbildung und die Anpassung an neue sicherheitspolitische Anforderungen. Bereits beim traditionellen Neujahrsempfang Ende Januar betonte Schönhöfer die zunehmende Bedeutung der klassischen Landes- und Bündnisverteidigung und die veränderte Bedrohungslage in Europa.
Der Verband stellte wie gewohnt rund um die Uhr zwei bewaffnete Eurofighter für den NATO Quick Reaction Alert (QRA) bereit und sichert damit den südlichen deutschen Luftraum. Gleichzeitig zählt das Geschwader zu den wichtigsten Einsatzverbänden der Luftwaffe innerhalb der NATO-Luftverteidigung. Hierfür musste die QRA ca. 20-mal zum scharfen Einsatz aufsteigen.
Das TaktLwG 74 zeichnet sich durch eine tief verwurzelte bayerische Heimatverbundenheit und eine enge Identifikation mit der Region aus. Diese lebendige Verbindung zur Bevölkerung spiegelt sich nicht nur in der traditionellen Teilnahme an Events wie dem legendären Donauschwimmen im Januar oder dem festlichen Geschwaderball wider, sondern auch im enormen Interesse an der Historie des Verbandes: Als an den Museumstagen der Militärgeschichtliche Sammlung (MGS) auf der Basis im Frühjahr an ausgewählten Tagen ihre Türen für die interessierte Öffentlichkeit öffnete, war der Ansturm überwältigend. Die angebotenen Termine waren im Nu restlos ausgebucht – die Nachfrage war so gewaltig, dass das Geschwader sie kaum bewältigen konnte. Am Ende freute man sich über rund 700 begeisterte Besucher, was den starken Rückhalt der Einheit in der Heimat einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis stellte.
Ein absolutes Aushängeschild des TaktLwG 74 weit über die Grenzen Bayerns hinaus war auch 2025 das Eurofighter Solo Display. Unter dem Dach des erweiterten „Display Team Germany“ der Luftwaffe teilte sich das Neuburger Geschwader die Repräsentationsaufgaben der sogenannten „Leistungsdemonstration des Eurofighters der Luftwaffe“ mit dem TaktLwG 31 „Boelcke“ aus Nörvenich.
Für Neuburg war natürlich wieder „Noble“ in seiner 4. Saison im Cockpit. Mit den zwei kraftvollen EJ200-Triebwerken (die im Nachbrenner jeweils gigantische 90 Kilonewton Schub erzeugen) flog „Noble“ ein präzises, physisch extrem forderndes Programm, das die Belastungsgrenzen von Mensch und Maschine bei bis zu +9G ausreizte. „Noble“ und sein treues Wartungsteam aus Neuburg absolvierten im Verlauf der Airshow-Saison 2025 ein straffes Programm und vertraten die Bundeswehr bei zahlreichen Großveranstaltungen in ganz Europa.
Airshow-Teilnahmen des Neuburger Solo Displays 2025:
Die geplante International Air Show im polnischen Radom wurde wegen des dortigen Absturzes der polnischen Solo Display F-16 beim Training natürlich abgesagt. Anziehungspunkt waren auch seine Trainingsflüge vor den jeweiligen Shows in Neuburg, Lechfeld oder Laupheim. Das Geschwader informierte hier im Vorfeld durch die Presse und Social Media über die Flugzeiten der Trainingsslots. In 2026 wird Noble dann in seine fünfte und letzte Displaysaison starten.
Auch das Jahr 2025 stand natürlich wieder im Zeichen intensiver Übungsvorhaben. Das Spektrum reichte von großflächigen internationalen Verlegungen bis hin zu unangekündigten, internen Alarmierungsprüfungen direkt am Standort in Zell. Fixpunkt der Jahresplanung war die fünfwöchige Trainingskampagne in Decimomannu / Italien im Juli des Jahres. Während der Flugbetrieb „in Deci“ durchgeführt wurde, fand in Neuburg wieder die Renovierung der Landebahn statt. Zuvor konnte man im April noch einen sogenannten „Elephant Walk“ durchführen.
Im Oktober stand für die Neuburger das wichtigste internationale Manöver des Jahres an. Ein Kontingent des Geschwaders verlegte auf die Kanareninsel Gran Canaria, um an der von der spanischen Luftwaffe gehosteten Großübung „Ocean Sky“ teilzunehmen. Kurz zuvor im September ging es für „Cobra Warrior“ nach Großbritannien.
Ein weiterer zentraler Bestandteil des Ausbildungsprogramms war der intensive Nachtflugbetrieb. In den Wintermonaten und im Frühjahr als auch im Herbst führte das TaktLwG 74 umfangreiche Nachtflugphasen durch. Trainiert wurden unter anderem Luftbetankung, Abfangmanöver sowie der Einsatz von Nachtsichtgeräten.
Anfang Juli öffnete der Fliegerhorst seine Tore für ein ganz besonderes Doppel-Event. Am Donnerstag, dem 3. Juli 2025 fand der interne Familientag des Geschwaders statt. Bereits am Tag darauf folgte die sogenannte Spotter Hour 2025 der Bavarian Tigers. Aviatik-Fans aus ganz Europa reisten an, um den neuesten Stolz des Verbandes zu fotografieren: den Eurofighter mit der passenden Kennung 30+74 im neuen Design: der „Castle Tiger“.
Als Hommage an das zeitgleich stattfindende, berühmte Neuburger Schlossfest präsentierte das Geschwader die atemberaubende Sonderfolierung in Tigerfarben. Der Jet verband heraldische Elemente der mittelalterlichen Geschichte Neuburgs am Tail mit den klassischen Tiger-Streifen. Der „Castle Tiger“ flog auch direkt während der Spotter Hour eine reguläre Mission und begeisterte die Fotografen mit zwei tiefen Überflügen über der Heimatbasis in Zell. Die Idee für das Design und die Umsetzung der Folierung stammten traditionell von der Neuburger Firma Hamm Design. Auch die internationale Kooperation wurde an diesem Wochenende in Neuburg gelebt: Im Rahmen des Mini (Medieval) Tiger Meets waren unter anderem die 12° Gruppo aus Gioia del Colle und eine tschechische Saab Gripen zu Gast.
Mit dem erfolgreichen Abschluss des Jahres 2025 blickt das Taktische Luftwaffengeschwader 74 bereits auf den nächsten Meilenstein im kommenden Jahr. In 2026 gibt es gleich drei Gründe zu feiern: 65 Jahre Geschwader, 20 Jahre Eurofighter-Betrieb, 10 Jahre Vollmitgliedschaft in der NATO Tiger Organisation. Dazu wird die Luftwaffe selbst 70 Jahre. Eine spektakuläre Jubiläums-Sonderfolierung für einen Eurofighter ist geplant und soll vor allem die bayerischen Farben enthalten. Am 18. September wird hierfür ein Spotterday in Neuburg stattfinden.
Eine gute, professionelle Ausbildung ist die Grundlage für die Bewältigung der anspruchsvollen Aufgaben des fliegenden und technischen Personals. Hierfür sind die Neuburger neben dem täglichen Flugbetrieb in der bayerischen Heimat auch wieder an großen Übungen beteiligt. Im März geht es erneut zu „Cobra Warrior“ nach Großbritannien. Die Teilnahme am TLP in Albacete gehört ebenfalls zum fixen Ausbildungsprogramm der Einheit. Leider ist das traditionelle NATO Tiger Meet in Araxos/Griechenland im Mai erneut nicht Teil des Programms.
Die weiteste Reise steht dann im Juli auf dem Programm. Nach 2022 geht es erneut einmal um die halbe Welt nach Australien, um an der Luftwaffenübung Pitch Black teilzunehmen. Zuhause in Bayern soll der Flugbetrieb im Rahmen einer „Dislocation“-Übung für eine Woche vom zivilen Flughafen in Nürnberg aus durchgeführt werden. Alle Luftwaffenverbände üben dies in 2026, das TaktLwG 51 aus Schleswig sogar am Airport in Hamburg.
Alle Deployments und auch der heimische Kernauftrag der Alarmrotte sollen nach Plan wieder in ca. 5.000 Stunden erflogen werden. ■
Ein ganz herzlicher Dank an alle Beteiligten des TaktLwG 74 für die Unterstützung und natürlich für ihren täglichen Dienst & Einsatz!
Text & Bilder: © Mathias Grägel / GME-AirFoto GbR Mai 2026