EART 2017


In den Niederlanden fand parallel zur Luftkampfübung „Frisian Flag“ auch das vom European Air Transport Command (EATC) organisierte European Air Refuelling Training – EART 2017 statt. Tankflugzeuge aus vier Nationen operierten von Eindhoven aus und trainierten gemeinsam Luftbetankungsoperationen. Bei 48 Missionen wurden 615.000 kg Kraftstoff an die Kampfflugzeuge abgegeben.

EART2017In diesem Jahr fand das vom European Air Transport Command (EATC, Europäisches Lufttransportkommando) jährlich ausgetragene European Air Refuelling Training (EART, Europäisches Luftbetankungstraining) zum vierten Mal statt. Vom 27. März bis 07. April 2017 flogen die vier teilnehmenden Nationen ihre Einsätze von der Luftwaffenbasis Eindhoven, gleichzeitig Standort des EATC. Neben einer in Eindhoven stationierten McDonnell Douglas KDC-10 der niederländischen Luftwaffe (334 Staffel; in der ersten Woche aufgrund technischen Problemen nicht verfügbar) waren jeweils eine französische Boeing C-135FR (02/091 GRV aus Istres-Le Tubé), italienische Boeing KC-767A (14° Stormo aus Pratica di Mare) und die Flugbereitschaft BMVg der Luftwaffe mit dem Airbus A310 MRTT (Multi Role Transport Tanker) vertreten. Die USA nahmen mit einem Kontingent an Beobachtern teil. Insgesamt waren 116 Soldaten an EART 2017 beteiligt.
Das primäre Ziel von EART besteht darin den Tanker – Besatzungen der EATC Nationen ein Hochwerttraining in realistischen, komplexen, multinationalen Szenarien zu bieten. Diese sind im täglichen Übungsflugbetrieb nicht in dieser Tiefe möglich. Dazu soll eine Standardisierung innerhalb der Nationen erfolgen. Dies beinhaltete die Planung, Briefing, Durchführung und Debriefing für die Piloten, Logistikexperten, Planer und Wartungsmannschaften. Vor allem die gemeinsame Planung steht im Vordergrund. „Bei EART haben wir die Möglichkeit gemeinsam zu planen und zu fliegen. Das umfasst neben den normalen Tankeinsätzen beispielsweise auch den Formationsflug mit anderen Tankern oder das Üben von Verfahren mit optischen Signalen ohne den Einsatz von Funk. Wichtig ist der direkte Kontakt zu anderen Nationen. Man lernt sich kennen und hat einen unmittelbaren Erfahrungsaustausch was verschiedene Einsatzverfahren betrifft. All das fördert die Effektivität bei den heute immer mehr werdenden internationalen Einsätzen und Aufträgen“, erkläre der stellvertretende Übungsdirektor Oberst Andrea Massucci. Die Übung unterstützt die parallel in Leeuwarden stattfindende NATO Hochwertübung Frisian Flag. Sie ist aber eine eigenständige und die momentan einzige multinationale Luftbetankungsübung dieser Art in Europa. „Wir sind beide voneinander abhängig. Die Kampfjets benötigen Tankerunterstützung für ihre komplexen Frisian Flag Szenarien. Wir benötigen Abnehmer um unsere Besatzungen zu trainieren. Die Übungen simultan durchzuführen ergibt den maximalen Nutzen für beide Seiten“, erkläre Massucci weiter. Zusätzlich stand heuer erstmals ein Zertifizierungsprozess bzw. die Einführung eines solchen im Vordergrund. Alle Teilnehmer konnten den Lehrgang mit einem Zertifikat abschließen. Sie sollen die gelehrten Inhalte in ihren Verbänden verbreiten.
Jeden Tag flogen die Tanker zwei Missionen, wobei die Schwierigkeit laufend gesteigert wurde. Geflogen wurde in den großen Lufträumen über der Nordsee, welche ebenfalls gemeinsam mit dem Frisian Flag Teilnehmern genutzt wurden. Zwei Luftbetankungs – Tracks über der Nordsee, mit „Shell“ und „Esso“ betitelt, wurden eingerichtet, wobei die Luftbetankungsmanöver üblicherweise in Höhen zwischen 15.000ft bis 28.000ft geflogen wurden. Entsprechend aufwendig auch hier die koordinierenden Planungen, bei bis zu 60 Luftfahrtzeugen im Luftraum. Oftmals wurde ein Track von mehreren Tankern gleichzeitig genutzt. Bei drei Tankern mit je bis zu sechs Kraftstoff abnehmenden Kampfflugzeugen pro Tanker war präzise Koordination gefragt. In den zwei Wochen wurden insgesamt 48 Missionen geflogen und dabei 615.000kg Treibstoff an 319 Kampfflugzeuge abgegeben. Eine große Herausforderung für die Wartungsmannschaften war es die Tanker innerhalb kürzester Zeit wieder für den nächsten Flug vorzubereiten. „Die Turn Around Zeiten betrugen nur ca. 60 Minuten. Das ausrichtende EATC ist eine multinationale Kommandobehörde der französischen, niederländischen, belgischen, deutschen, spanischen, luxemburgischen und italienischen Luftstreitkräfte in Eindhoven. Seine Hauptaufgabe ist die Koordination und operationelle Führung der Lufttransport- und Luftbetankungskräfte sowie der AirMedEvac – Einsätze der beteiligten Staaten. ▪

Publikationen

FliegerRevue 07/2017

Ein ganz herzlicher Dank an die entsprechenden Beteiligten der Pressestellen des EATC und der Flugbereitschaft BMVg sowie Herrn Hautfeldwebel Scherll im EATC.

Text & Bilder: © Mathias Grägel / GME-AirFoto GbR – März 2017