Im Lineup der Show findet man die Flying Bulls, Eurofighter & Tornado der Luftwaffe, das Flying Dragons Paragleiter Team, Flaredump der C-130 Hercules, eine SAR-Demo mit W-3 Sokol oder gar einen A321neo der Wizz. Veranstaltungsort ist ein Segelflugplatz mit einer gerade einmal 1.300m langen Grasbahn. Der Programmbeginn ist auf 15 Uhr angesetzt, das Ende gegen 23 Uhr. Willkommen bei der Antidotum Airshow 2025! Was auf den ersten Blick alles etwas wirr erscheint ist ein einzigartiges Konzept des im Kern nur sechs Mann starken polnischen Veranstalterteams. Und es funktioniert: mit 60.000 Zuschauern meldete „Leszno“ ausverkauft. Diese etwas andere Veranstaltung, jedes Jahr zur Sonnenwende im Juni, ist längst kein Geheimtipp mehr.
Der europäischen Airshowkalender ist jeden Sommer voll mit Terminen. Klassiker wie die AIRPOWER, Ostrava oder Sanicole sind seit Jahrzehnten bekannte Größen. Wenn man nun denk, so ziemlich alles schon einmal gesehen zu haben, nun ja… Seit ein paar Jahren gibt es noch Leszno. Den überschaubaren Segelflugplatz (ICAO: EPLS) in der Woiwodschaft Großpolen muss man nicht unbedingt kennen. Die dort stattfindende Antidotum Airshow hingegen schon. Sie ist mehr als einfach nur eine Flugshow. Das spezielle und einzigartige Konzept bietet Emotion und Leidenschaft pur. Eins Vorweg: um das außergewöhnliche „Lesznofeeling“ wirklich zu verstehen, muss man allerdings selbst vor Ort sein.
Hauptsächlich sind es zwei Dinge, durch die sich die Antidotum Airshow von jeder anderen Flugveranstaltung unterscheidet. Das erste ist die schiere Vielfalt im Lineup. Fast jede Art von Fluggerät ist vertreten. Vom Airliner, Helikopter, Segelflugzeug, Warbird über den Gleitschirmflieger bis hin zum Kampfjet. Der Mix aus allen Bereichen der Luftfahrt im Programm überzeugt genauso wie der zeitliche Ablauf. Kaum eine Minute Pause mit einem nahtlosen Übergang vom Start am späten Nachmittag bis zum Ende in der tiefen Nacht. Alles garniert mit Tonnen von Pyrotechnik.
Der zweite Faktor ist das enorme Maß an Engagement und die Kreativität, das in jede Facette der Veranstaltung fließt. Das polnische Orga Kernteam ist dabei gerade mal sechs Mann stark. Dazu kommen über 100 freiwillige Helfer. Dass eine so kleine Gruppe von Enthusiasten ein Event dieser Größenordnung – mit 60.000 Zuschauern und einem derart komplexen Ablauf – so reibungslos über die Bühne bringt, verdient höchsten Respekt. Ja, das schließt das Flugprogramm natürlich ein, aber es erstreckt sich auch auf die komplette restliche Veranstaltung. Bestes Beispiel die Musik am Abend, die natürlich hier nicht wie sonst vom Band kommt. Ein Live-Orchester begleitete das Geschehen am Himmel und schuf eine Symbiose aus Klang und Display, die ihresgleichen sucht. Die Musik ist dabei von Timing und Titel präzise auf die Flugmanöver am Himmel abgestimmt.
Auch das Airshowgelände in Leszno ist etwas anders. Die längste Piste des Segelflugplatzes misst gerade einmal 1.300 Meter – und sie besteht aus Gras. Für die kleinen und wendigen Props der Flying Bulls oder Hawks of Romania ist das kein Problem. Für die historischen wie aktuellen Jets jedoch eine operative Herausforderung. Sie starten alle vom benachbarten Militärplatz in Poznań-Krzesiny. Die polnische Luftwaffe supportet die Show hier dankenswerterweise. Der A321 von Wizz kam direkt aus Warschau.
Der großzügige Publikumsbereich bot vor allem viel Platz. Entspanntes beobachten der Flying Displays auf der mitgebrachten Decke ist hier kein Problem, sondern erwünscht. Die hervorragende Infrastruktur sucht seinesgleichen. Unzählige Essen- und Getränkestände sorgten dafür, dass keine kulinarischen Wünsche offenblieben. Von lokalen polnischen Spezialitäten bis hin zu kühlen Bier war für das leibliche Wohl bestens gesorgt. Warteschlangen und Anstehen gab es selbst zu Stoßzeiten nicht. Ein kleines Static Display war mit Militärhubschraubern und Fliegern des lokalen Aeroklubs bestückt.
Eine besondere Überraschung war die massive Beteiligung der deutschen Streitkräfte, die sowohl mit der Luftwaffe als auch dem Heer vertreten waren. Die Luftwaffe beeindruckte mit kraftvollen Vorführungen des Tornado und des Eurofighter Solo Display Teams. Besonders das Display des Tornados, dessen Dienstzeit sich langsam auch dem Ende nähert, war ein absolutes Highlight. Das TaktLwG 33 brachte hierfür sogar die Sonderlackierung „50 Jahre Tornado“ mit nach Polen. Der Schwenkflüger zeigte, dass er trotz seines Alters nichts an Agilität und purer Power eingebüßt hat. Die beiden Eurofighter kamen vom Taktischen Luftwaffengeschwader 74 aus Neuburg, welches in diesem Jahr die „Leistungsdemonstration des Eurofighter“ fliegt. Noble performte wie immer auf höchstem Niveau. Beide Jets waren weiter mit der polnischen F-16 in einer „Badge“-Formation zu sehen.
Auch das Heer war prominent vertreten. Der Kampfhubschrauber EC665 Tiger vom KHR36 aus Fritzlar sowie der Transporthubschrauber NH90 vom THR10 aus Fassberg zeigten dynamische Manöver und taktische Einsatzszenarien auf höchstem Niveau. Der Flaredump des NH90 im Sonnenuntergang – perfekt abgestimmt auf das vom Orchester gespielte „Seven Nation Army“- war mit das Highlight der ganzen Show.
Der eigentliche Zauber von Antidotum entfaltet sich jedoch erst mit Einbrechen der Dunkelheit. Wenn die „normalen“ Airshows ihre Tore schließen, beginnt in Leszno die wahre Magie. Der Himmel verwandelt sich in ein farbenprächtiges Spektakel aus Licht, Klang und Bewegung. Das Flying Dragons Paragleiter Display Team ist hierfür das perfekte Beispiel. Bei Tageslicht würden die Motorschirme neben den Jets sicher eher unscheinbar wirken. Doch in der Dunkelheit, ausgestattet mit jeder Menge LEDs, Rauch und Pyrotechnik, verwandeln sie den Himmel in eine choreografierte Lichtershow. Die fast lautlose Eleganz der Gleitschirme bildete den perfekten Kontrapunkt zum Nachbrennersound der polnischen F-16, die noch wenige Minuten zuvor im Programm war. Oder die polnische C-130 Herkules. Sie näherte sich in der Dunkelheit, kaum sichtbar, zum Flaredump. Das Ausstoßen der Täuschkörper, die eigentlich hitzesuchenden Raketen abwehren sollen, verwandelte die Nacht für ein paar Sekunden wieder zum Tag.
Gegen 22:30 Uhr steuerte die Show auf ihren Höhepunkt zu. Das „Grande Finale“ ist eine Mischung aus Feuerwerk (von Heißluftballonen abgefeuert), Live-Musik und Choreografie beendete den langen Tag. Als die letzten Motoren (die Bo105 & Iskra mit Pyrotechnik) verstummten und sich der Rauch der Pyrotechnik langsam über die Wiesen verzog, blickte man in 60.000 erschöpfte, aber glückliche Gesichter.
Die Organisatoren haben verstanden, dass eine moderne Airshow in Zeiten von großen Veranstaltungs-, & Social Media Angeboten oder billigen Streamingdiensten mehr sein muss als eine technische Leistungsschau. Leszno bietet Entertainment für die ganze Familie – die ganz große Show. Und Antidotum wird sicherlich weiter wachsen. Wer noch nicht dabei war, sollte sich die kommenden Termine definitiv vormerken. Die Show ist längst kein Geheimtipp mehr, sondern eine der modernsten und besten Airshows Europas. Die Antidotum Airshow 2025 war ein Gesamtkunstwerk. ■
Beim Rehearsalflug zur Radom Air Show am 28. August 2025 verunglückte der Display-Pilot Maciej “SLAB” Krakowian des polnischen F-16 Solo Teams tödlich. In Gedenken an SLAB!
▪ Bilder & Text: Mathias Grägel / GME-AirFoto Juni 2025
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: In the lineup: The Flying Bulls, Luftwaffe Eurofighters and Tornados, the Flying Dragons paramotor team, a C-130 Hercules flare drop, a W-3 Sokol SAR demo, and even a Wizz Air A321neo. The venue: A glider airfield with a grass strip measuring just 1,300 meters. The schedule: 15 to 23 hrs. Welcome to the Antidotum Airshow 2025. What initially seems like a chaotic mix is, in reality, a unique concept curated by a core team of just six Polish organizers. And it works: „Leszno“ reported a sold-out crowd of 60,000 spectators. Held annually during the June solstice, this unconventional event has long since graduated from being an insider tip to a headline act.
The European airshow calendar is packed every summer. Classics like AIRPOWER, Ostrava, and Sanicole have been staples for decades. Just when you think you’ve seen it all, Leszno appears on the radar. You don’t necessarily need to know the modest glider field, but you definitely need to know the Antidotum Airshow hosted there. It is more than just a flying display; the unique concept offers pure emotion and passion. A disclaimer upfront: to truly understand the „Leszno Feeling,“ you simply have to be there.
Two main factors distinguish Antidotum from standard aviation events. The first is the sheer variety of the lineup. Almost every category of airframe is represented: from airliners, helicopters, gliders, and warbirds to paramotors and fast jets. The mix of aviation disciplines is as convincing as the pacing; there is hardly a minute’s pause, with a seamless transition from late afternoon operations into the dead of night-all garnished with tons of pyrotechnics.
The second factor is the immense dedication and creativity poured into every facet of the event. The core Polish organizing team consists of only six people, supported by over 100 volunteers. The fact that such a small group of enthusiasts can execute an event of this magnitude – with 60,000 spectators and complex logistics – so smoothly commands the utmost respect. This extends beyond the flight program to the entire event experience. The best example is the evening soundtrack: no pre-recorded tapes here. A live orchestra accompanies the action in the sky, creating a symbiosis of sound and display that is unparalleled, with timing and track selection precisely synchronized to the maneuvers overhead.
The layout at Leszno is also unconventional. The longest runway is a 1,300m grass strip. While this poses no issue for the agile props of the Flying Bulls or the Hawks of Romania, it presents an operational challenge for historic and modern jets. Consequently, these assets operate remotely from the nearby 31st Tactical Air Base in Poznań-Krzesiny, with the Polish Air Force providing crucial support. The Wizz Air A321 even transited directly from Warsaw.
The expansive spectator area offered ample room, encouraging a relaxed atmosphere where families watched from picnic blankets. The infrastructure was top-tier, with countless food and beverage stalls ensuring no culinary wish went unfulfilled from local Polish specialties to cold beer with virtually no queues, even at peak times. A small static display featured military helicopters and local aero club aircraft.
A particular highlight was the massive participation of the German Armed Forces (Bundeswehr), represented by both the Luftwaffe and the Heer. The Luftwaffe impressed with powerful demonstrations by the Panavia Tornado and the Eurofighter Solo Display Team. The Tornado display was a standout moment, especially significant as the type nears the end of its service life. Taktisches Luftwaffengeschwader 33 brought a jet sporting the „50 Years Tornado“ special livery. The swing-wing striker proved that, despite its age, it has lost none of its agility or raw power. The two Eurofighters hailed from Taktisches Luftwaffengeschwader 74 in Neuburg. As always, the pilot, „Noble,“ performed at the highest level. Both German jets also joined a Polish F-16 for a unique mixed-formation flypast.
The German Army was also prominent. An EC665 Tiger attack helicopter from KHR36 (Fritzlar) and an NH90 transport helicopter from THR10 (Fassberg) demonstrated dynamic maneuvering and tactical scenarios. The NH90’s flare release at sunset perfectly timed to the orchestra’s rendition of „Seven Nation Army“ was arguably one of the show’s defining moments.
The true allure of Antidotum unfolds as darkness falls. When „standard“ airshows close their gates, the real magic begins in Leszno. The sky transforms into a kaleidoscope of light, sound, and motion. The Flying Dragons Team is the perfect example; in daylight, their paramotors might seem modest alongside fast jets. But in the dark, equipped with LEDs, smoke, and pyro, they turn the sky into a choreographed light show. The silent elegance of the gliders provided a perfect counterpoint to the thunderous afterburner of the Polish F-16 that had torn up the sky minutes earlier.
Then came the Polish C-130 Hercules. Approaching in the darkness, barely visible, it executed a massive flare dump. The ejection of decoys, designed to defeat heat-seeking missiles, turned night into day for a few breathtaking seconds.
Around 22:30, the show reached its crescendo. The „Grand Finale“ a mixture of fireworks (launched from hot air balloons), live music, and choreography brought the long day to a close. As the final engines silenced (a Bo105 and TS-11 Iskra, both laden with pyrotechnics) and the smoke drifted over the fields, one looked out over 60,000 exhausted but happy faces.
The organizers have understood that in an era of massive entertainment options and streaming, a modern airshow must be more than a technical exhibition. Leszno offers entertainment for the whole family a true spectacle. Antidotum will undoubtedly continue to grow. If you haven’t been yet, mark your calendar. It is no longer a hidden gem, but one of Europe’s most modern and finest aviation events. Antidotum 2025 was simply a price of art.