Die Nacht war kurz. Sehr kurz. Aegean A3 807 setzte am Vorabend erst um 2155lcl auf der 03L in Athen-Eleftherios Venizelos auf. Schnell raus aus dem randvollen A320neo, Mietwagen übernehmen und rasch ab auf die griechische Autobahn. Gute 2,5 h Fahrt nach Westen. Der Kanal von Korinth zog ohne den üblichen Fotohalt vorbei; zu dunkel, zu spät. Als der Wecker nach gefühlten Minuten des Schlafes klingelt ist noch stockfinstere Nacht auf dem Peloponnes. Noch ein schneller Kaffee im Ort und schon geht es steile Serpentinen hoch in die Berge…
0700lcl morgens, langsam dämmert es. Die Wolken lassen der Sonne keine Chance an diesem trüben Vormittag. Vom vollen Parkplatz zum Fotospot ist ein kurzer aber steiler Marsch zu bewerkstelligen. Auf dem engen Wanderweg passieren wir Weinreben und gelangen mitten im Vouraikos-Tal auf eine Felsklippe. Der Wind zieht eisig kalt über die Kante. Geschätzte +/- 4 °C. Ein falscher Schritt nach vorn und es geht wohl an die 200-300m nach unten in die Schlucht. Die Fotoposition ist am Fels zügig eingerichtet, die Kameraeinstellungen schnell geprüft.
Nun heißt es geduldig bleiben und warten. Warten, warten, warten; jedoch zu jeder Zeit „schussbereit“. Dies je nach Wind- und Anflugrichtung auch sehr reaktionsschnell. Jeden Moment könnte es soweit sein. Die Konzentration muss tatsächlich immer hoch bleiben an diesem Mittwoch im März. Zum Frühstück, natürlich mit der Kamera über der Schulter, erstmal ein Sandwich. Die Fotografenkollegen nicken bestimmend auf die Frage nach einem (wärmenden) Ouzo dazu…

Vouraikos Tal – das Wetter ist wie immer entscheidend
Warum das alles? Wieso campiert man überhaupt hier auf einem Felsen mitten in der, zugegebenerweise (bei schönem Wetter) traumhaften, griechischen Berglandschaft an einem Werktag im März? Der Grund ist simple: Es ist eine einzigartige Gelegenheit Militärjets in ihrer reinsten Form zu verfolgen und fotografieren. Im Flug. Tief, schnell, laut und vor allem keine Sekunde geradeaus fliegend. Die Fam-Flights (Familiarisation) für die alljährliche Iniochos–Übung stehen auf dem Schedule. Die Flüge sollen vor allem die teilnehmenden internationalen Crews mit den Übungsgebieten, Lufträumen und auch den Tieffluggebieten Griechenlands vertraut machen.

Dassault Mirage 2000D – EC 3/3 „Ardennes“ – BA 133 Nancy-Ochey 🤙
Die Teilnehmerliste war 2025, wie eigentlich jedes Jahr, gespickt mit internationalen Highlights der aktuellen militärischen Luftfahrt. Darunter u.a. indische Su-30MKI, italienische Tornados (wahrscheinlich zum letzten Mal), polnische F-16, spanische „Legacy“ Hornets aus Gando (auch eine Seltenheit im Jahre 2025), Qatar F-15QA, französische Mirage 2000D und natürlich SIE: die Gastgeber in Form der griechischen McDonnell Douglas F-4 Phantom II. Mit die letzten aktiven Phantoms in Europa; in der Welt. Eine 50-jährige fliegende Legende mit eigenem Maskottchen. SPOOKY!!!

PHANTOM – SPOOKY on board 😉
In 2026 begann nur wenige Tage vor der Übung der Krieg im Iran. Dies hatte leider auch (negative) Auswirkungen auf Iniochos. Internationale Gäste waren bei dieser Ausgabe nur in Form der französischen Mirage 2000D vertreten. Die engen Partner Israel und Amerika (F-15E Strike Eagles der USAF) sagten ihre geplanten Teilnahme entsprechend ab. Weitere Nationen wie Rumänien oder Zypern folgten bis kurz vor Übungsstart.

Tief, laut, schnell und zum Greifen nah – Mirage 2000D
INIOCHOS ist die jährlich stattfindende multinationale Militärübung der griechischen Luftwaffe. Unter Führung der ansässigen Waffenschule wird das gesamte Spektrum moderner Luftkampfmissionen geübt. Der Luftwaffenstützpunkt Andravida bildet die Ausgangsbasis. Nur sieben Minuten Flugzeit sind es bis zum Canyon. Iniochos wurde bereits in den 1980er-Jahren zum ersten Mal durchgeführt und entwickelte sich seitdem sukzessive weiter. Ab 2015 wurden auch geladene internationale Gäste integriert. Das Hauptziel der Übung besteht darin ein maximal realistisches, operationelles Training anzubieten. Dazu gehören auch die Tiefflüge, welche diese einzigartigen fotografischen Motive liefern.

Sinnestäuschung? Zu viel Ouzo? Oder doch eine Viper der heimischen 336 MIRA aus Araxos im wahrsten Sinne des Wortes „down low“?
Die Sache mit dem Ouzo…
Bei der Jagd nach dem perfekten „Low-Level-Shot“ braucht man vor allem eins: Geduld. Sitzt man doch oft etliche Stunden am Berg in denen schlicht gar nichts passiert. Bei Wind und Wetter. Für ein entspanntes Nickerchen bleibt keine Zeit. Jeden Moment kann ein Jet am Horizont auftauchen. Der Eindruck mag täuschen, jedoch ist jedes der folgenden Bilder „hart erkämpft“, und Passes sind kein Selbstläufer. Wie immer ist vor allem das Wetter entscheidend. Eine Garantie auf Durchflüge gibt es nie! Auch nicht bei Iniochos! Schon gar nicht für eine Phantom. Und mancher Pass ist dann einfach auch zu hoch geflogen für ein gutes Foto: „over the top, just blue“.
Der ein oder andere Fotograf verfällt beim Warten schon mal in eine meditative Trance, aus der er beim kleinsten „triebwerksähnlichen“ Geräusch hochschreckt. Vor allem die Motoren der LKWs, welche sich die steile Serpentinenstraße hochquälen, lassen einen immer wieder hochschrecken. Nur wenige Sekunden später realisiert man den „falschen Alarm“. Die akustische Täuschung war einmal mehr trügerisch. Unsere kleine bayerische Reisegruppe, immer an der Kulinarik des Gastlandes interessiert, war sich nach einer Phase des längeren, Resilienz raubenden Wartens einig: „für jeden Pass nun einen Ouzo“. Das Ausharren sollte ja auch belohnt werden, im doppelten Sinne… ■
Vouraikos 2026:
Vouraikos 2025:
■ Bilder & Text: Mathias Grägel / GME-AirFoto GbR März 2025 & 2026